Ausgewähltes Gekritzel

(alt) EinDRUCKvolles Erlebnis – unterwegs mit dem Golf R von Tuner HGP nach Ulrichen (CH)

Von Oliver Gmeinder

Vergangene Woche, Montags halb zehn in Deutschland… Kein berühmter Frühstückssnack in der Nähe und das Wetter war auch schon mal besser. Der Winter will nicht mehr so recht und der Frühling kann noch nicht. Doch warum Trübsal blasen. Die Woche ist voll mit allen möglichen langweiligen Terminen, inklusive Zahnarztbesuch. Herz was willst Du mehr?!

Doch dann kam alles anders: Eine SMS von unserem liebsten Verlag, dem AS Auto Verlag, ließ fragen, ob wir uns für Tuner HGP dem Winter High Performance Event von Continental & Auto Bild Sportscars anschließen wollen würden/ könnten. Der Geschäftsführer der Tuningschmiede ist wegen Krankheitsfall im Kader und dringendem Auftrag leider verhindert, möchte aber sein Auto unbedingt beim Event dabei haben.

Die Eckdetails klangen vielversprechend: Reifenhersteller Continental lud exklusiv eine Handvoll Tuner ein, um auf dem eigens für diese Zwecke präparierten Testgelände in der Schweiz nebst abgesperrter Passstraße Schneespaß par excellence zu bieten. Das Ganze begleitet von Zwei Filmteams sowie Fotograf und Redakteuren von Auto Bild Sportscars. Tenor der Veranstaltung: Auch im Winter kann man mit High Performance Cars sicher Spaß haben, Dank modernen Winterreifen in Sportwagendimensionen.


Ulrichen (CH) – Hier liegt das Conti Testgelände.

Es sollte allerdings bereits am nächsten Tag direkt losgehen. Die Entscheidung fiel dann aber relativ einfach, da ich aus o.g. Gründen zu dem Zeitpunkt sowieso eher unmotiviert auf die Woche geblickt hatte. Auch bin ich, zugegeben, HGP Fan und war bis dato nie in Ohmden in der Fabrik. Termine also alle umgeworfen, gepackt und am nächsten Tag ging es gleich los.

Nach entspannter Zugfahrt (kommt selten vor) hat mich Martin Gräf (der Chef persönlich) direkt am Bahnhof abgeholt und nach kurzer Fahrt waren wir auch schon in der Fabrikstr. 14 in Ohmden, wo die HGP Turbonachrüstung GmbH Ihren Sitz nebst kleiner Werkshalle hat. Alles eher eine Manufaktur, als eine Werkstatt. Ich war schon kurz davor zu Fragen, ob man die Schuhe ausziehen müsse… Ohne es zu übertreiben, aber hier war nahezu klinische Reinheit gegeben und man hätte wahrscheinlich ohne weiteres eine OP am offenen Herzen durchführen können.

In der Mitte der Halle ein blauer Golf 6 R mit offener Motorhaube… Ich kurz geschaut; R36 Turbo prangt in großen Lettern  auf dem Motor, im Innenraum eine 6 Gang Handschaltung. Das wäre nicht weiter verwunderlich. Bedenkt man aber, dass es sich bei dem Triebwerk um einen unaufgeladenen V6 aus dem Passat handelt, den es gar nicht im Golf gibt (aktuell ist im Golf R ein 2.0 Liter TFSI 4 Zylinder verbaut, statt dem Vorgänger 3.2 Liter V6). Darüber hinaus wird der Golf R mit DSG ausgeliefert. Handschaltung gibt es gar nicht mehr im R. Im Klartext: Hierbei handelt(e) es sich offenbar um eine sehr umfangreiche OP am offenen Autoherzen. Motorkomplettumbau nebst Turbolader und Umbau auf Handschaltung!!! Von Kleinkram, Abstimmung, Software und sonstigen Anpassungen will ich gar nicht erst anfangen. Leistung auf Porsche Turbo Niveau – nach oben noch Luft… Fragen? Kontaktbutton unter www.hgp-turbo.de 🙂

Einblick in die heiligen HGP-Hallen:

Golf 6 "R36 Turbo" UmbauEin dynamisches Duo by HGPRennbremse am neuesten Projekt

Nach Kaffee und ausführlichen Gesprächen führte mich  Martin durch die heiligen Hallen und weihte mich überdies in seine aktuellen Projekte ein… Man kann nur soviel sagen: Es wird sich bald etwas tun und HGP wird vermutlich in Nardo wieder einmal Golf Geschichte schreiben. Doch das soll hier nicht Thema sein.

Mein heutiges Reisegefährt ist ein Golf R mit Leistungssteigerung auf ca. 444 PS (je nach Einstellung auch ein wenig mehr). Ein 4 Zylinder mit XXL Turbo, geändertem Fahrwerk, Bremsen und verstärkten Modifikationen am DSG. Sportlich aber nicht aufdringlich. Bestückt mit Continental Winterreifen in der Dimension 235/35 R 19. “Min. 98 Oktan tanken” war die einzige Anweisung; „Ansonsten viel Spaß!”, lächelte Martin.

Der Reisewagen...Conti Winterpneus auf OZ Superleggera

Innen ganz Golf R mit Vollausstattung und den genialen Schalensitzen fühlte es sich bereits schon ganz gut an. Das Navi hat den Zielort auch schnell gefunden, so dass einer entspannten Reise nichts mehr im Wege stehen sollte. Schlüssel bis Anschlag gedreht und das Triebwerk erweckte zum Leben. Leicht rauh, eben Typisch für einen 4 Zylinder – die 88mm Edelstahl Sportabgasanlage tat ihr übriges dazu – aber nicht zu aufdringlich könnte man den Klang des Motors beschreiben. Entspannt aber dennoch ein wenig Müde von der Anreise fanden wir schnell den Weg auf die Autobahn und es ging gemütlich los Richtung Schweiz. Fühlt sich an wie ein sportlicher Golf und fuhr sich vom ersten Eindruck her auch so. Man konnte aber bereits vernehmen, dass da im Hintergrund ein Lader anlaufen möchte, denn das Turbo übliche säuseln (oder nennen wir es Pfeifen) war bereits ganz leicht zu hören vor jedem frühen Gangwechsel. Der kann, wenn er soll – soviel ist schon aufgrund der nackten Zahlen sicher.

An oberster Stelle bei einem derartigen Triebwerk steht aber natürlich ganz klar das Thema “Warmfahren”. Ein Motor ist, entgegen der weit verbreiteten Meinung, noch lange nicht auf Temperatur, wenn die Wasseranzeige mittig steht und Betriebstemperatur suggeriert. Viel wichtiger ist, dass das Öl eine Temperatur von min. 75-80 Grad hat, bevor man höhere Drehzahlregionen ansteuert. Je nach Aggregat dauert das deutlich über 10 KM, bei einem Diesel aufgrund des höheren Wirkungsgrades und der somit einhergehenden niedrigeren thermischen Entwicklung eher noch länger. Dank HGP Anzeige im Display der Multifunktionsanzeige hatte man aber einen guten Überblick zum Thema Öltemperatur, Ladedruck und Geschwindigkeit.

Die Soundkulissen war durchaus angenehm, das Fahrwerk relativ straff, trotz Comfort Stellung des ACC (Adaptiven Chassis Control), was wohl auf das K&N Gewindefahrwerk zurückzuführen ist. Der Wagen lag buchstäblich wie ein Brett und das trotz der weichen Winterreifen. Nach einigen Kilometern des “tempomaten” Gleitens verließ ich die Autobahn, um kurz das stille Örtchen aufzusuchen und mich mit Apfelsaftschorle aus dem Kofferraum einzudecken.

Beim Wiedereinfahren auf die Autobahn drückte ich nun etwas beherzter aufs Pedal und ließ der Drehzahl Ihren Lauf. Nach zunächst leichter Anfahrtsschwäche hatte man den Eindruck, dass der Lader sich regelrecht freute, endlich von der Leine gelassen zu werden und der Wagen nahm so beherzt an Fahrt zu, dass mein  Herz direkt proportional zur Drehzahl zu pochen begann. Der Klappenauspuff stellte auf Durchgang und die Contis packten in den Asphalt. Das DSG schaltete in Lichtgeschwindigkeit die Gänge durch, das ganze Untermalt von einer sonoren Orgie aus Röhren, Pfeifen und Zischen, die Ihresgleichen sucht. Blinken, blicken und Konzentrieren… Wahnsinn, was ein 2.0`er “Motörchen” mobilisiert, wenn ihm eine Turbolader- Abgas-krümmereinheit mit Längenausgleich und Garrett-Rumpfgruppe aus der 30-er Serie ordentlich Beine macht. Laut Fahrzeugschein soll der Vortrieb erst bei echten knapp 290 Km/ h enden. Hieran hatte ich keinen Zweifel! Winterreifenbedingt brach ich bei 240 Km/ h ab und stellte den Tempomat auf 180 Km/ h ein. Interessante Geschwindigkeit übrigens, da bei dieser Drehzahl die Klappen im Auspuff geöffnet sind und es schön röhrt. Nimmt man die Geschwindigkeit auf ungefähr 169 km/ h zurück gleitet der Golf fast schon leise dahin.

Ordentlich Leistung, nicht nur auf dem Papier...

Die Fahrt ging dann entspannt und sonnig weiter. Tempomat immer schön zwischen 160-180 Km/h, denn wir wollten ja mit einer Tankfüllung ankommen. Verbrauch lt. BC waren um die 11,5 Liter, was bei der Reisegeschwindigkeit mehr als angemessen war. Ansonsten auch keinerlei Probleme – wie zu erwarten.

An der Schweizer Grenze zogen Golf und ich allerdings kurz die Aufmerksamkeit des Zöllners auf uns und wurden an heraus gewunken. Der Zöllner schien sich aber eher für den Wagen zu interessieren und nahm von meinem Koffer, vollgepackt mit 200.000€ Ehrensold, keinerlei Notiz 😉

Noch entspannter ging es dann in der Schweiz weiter, da die Alpkollegen ja bekanntlich nicht zimperlich sind beim Thema Geschwindigkeitsüberschreitung. War aber auch gar nicht nötig hier in Versuchung zu kommen, denn die Schweizer Landschaft lud mehr zum Genießen ein. Genossen habe ich auch die Soundkulisse des Golf in den zahlreichen Tunnels in der Schweiz… Fahrerfenster auf, leicht vom Gas und in 3. oder 2. Gang herunter geschalten via Schaltpaddel am Lenkrad. Bei Beschleunigung und Gangwechseln bot der Golf ein infernalisches Röhren und Fauchen, Dank der genialen Akkustik im Tunnel. Ein Hochgenuss für Herz, Ohr und Autofahrerseele. Herrrrrrrrlich!

Die Berge sind schon zu sehen Am Zürichsee vorbei Mehr und mehr Schnee Traumhaftes Wetter

Die Fahrt endete dann ohne weitere Zwischenfälle höchstentspannt in Ulrichen, wo der Golf auf dem Versuchsgelände von Continental in einem Hangar für den Event vorbereitet wurde.

Der HGP beim Winter High Performance Event 2012

Mein kleiner Reisebericht endet hier dann auch und ich kann als Fazit nur positiv von dem Wolf, Verzeihung, Golf im Schafspelz berichten. Ein Fahrzeug mit einer breiten Facette an Möglichkeiten und Dank Allrad auch vielseitig und sicher einsetzbar – sogar im Schnee. Einfach mal zum Shoppen, in den Urlaub oder auf die Rennstrecke. Mit dem Golf R von HGP soweit alles relativ einfach möglich – natürlich ist es eher ein straffes Sportmobil mit ordentlich Druck unter der Haube, kann aber durchaus auch als Alltagsauto genutzt werden.

In den darauf folgenden Tagen hat sich der Wagen dann einigen hochkarätigen “Gegnern” gestellt und sowohl den Redakteuren von Auto Bild Sportscars sowie dem Meister Armin Schwarz persönlich sein “Können” unter Beweis stellen müssen. Schlussendlich war es aber weniger ein Wettkampf, als eine rundum gelungene – Dank Continental und Auto Bild Sportscars – Spaßveranstaltung für alle Beteiligten, die einem vor Augen geführt hat, dass man auch im Winter mit einem High Performance Car eine Menge Spaß haben kann und es keinen Grund gibt erst lange auf den Sommer zu warten. Letztendlich wollen wir ja alle nur (im Schnee) spielen.

Ausführliche Berichte rund um den Event folgen alsbald auf www.autobild.tv, in einer der kommenden Printausgaben der AUTO BILD SPORTSCARS sowie auf www.continental-reifen.de unter dem Punkt “Tuning & Performance.

In Summe ein eindruckvolles Erlebnis.

Viel Spaß!

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