Ausgewähltes Gekritzel

(alt) “Ghost-Rider”- Unterwegs im Rolls-Royce Ghost

Von Oliver Gmeinder

Einen schönen Tages im vergangenen Jahr hatte ich im Rahmen meiner  (sagen wir) Hobby-Tätigkeit für ein namhaftes Verlagshaus die Möglichkeit den Rolls-Royce Ghost für rund 200 KM zu “chauffieren” und quasi den Ghost-Rider zu mimen. Während einem kurzen majestätischen Boxenstop für kleine Königstiger, habe ich einige Eindrücke eingefangen. Den Originalartikel gibt es dann selbstverständlich auch verlinkt. Daher beschränke ich mich auf MEINEN subjektiven Eindruck zum Wagen.

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Was soll man sagen…. Beim “Rolls” denke ich unweigerlich sofort an den Filmklassiker “Driving Miss Daisy” bzw. “Miss Daisy und ihr Chauffeur”, wie der Streifen in Deutschland hieß. Zwar wurde die Gute im Film in einem Hudson chauffiert, aber würde Miss Daisy heute noch leben, ich bin mir sicher sie würde sich im Rolls fahren lassen. Der Zusatz Ghost ist übrigens eine Hommage an den legendären Vorgänger Silver Ghost von 1906.

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Ein Rolls-Royce ist ohne Frage für eine spezielle extrovertierte und vor allem vermögende Klientel gebaut. Auch wird man normalerweise in so einem Auto gefahren, pardon chauffiert. Ein gewisses Selbstvertrauen ist übrigens zwingend von Nöten, denn meine erste Rolls-Royce Er-”Fahrung”, damals ein Phantom Coupé, hat mich bereits spüren lassen, dass man wahrscheinlich gänzlich nackt auf einem lila Fahrrad weniger stark auffällt in der Stadt. Vor allem bewegt man sich von der Höhe her schon fast auf SUV Niveau und blickt zwangsläufig etwas herablassend auf die Autos neben einem. Steht man dann noch im Stadtverkehr in München an der Ampel und nimmt an der Haltelinie die volle 2m Spurbreite ein, erlangt man sofort ungewollte Überaufmerksamkeit und ist kurz davor Autogrammkarten zu verteilen.

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Der Phantom damals war ganz nett, vor allem eine tolle Erfahrung… aber so richtig begeistert war ich nicht. Ich erinnere mich noch gut an bspw. die iDrive Lösung aus dem alten 7er, die verbaut war. Katastrophale Bedienung – eher ein iDrive Problem! Verarbeitung war auf höchstem Niveau auf jeden Fall, aber mal ehrlich, das erwartet man ja auch. Die Leistung des Phantom lag mit 460PS aus 6,8L Hubraum und 12 Töpfen bei mehr als ausreichend. Der Fahreindruck war beeindruckend, vor allem da man quasi nichts an Geräuschkulisse von Motor, Wind oder aus dem Fahrwerksbereich vernommen hat. Muss so sein, ist ja ein Rolls! Dennoch war mir das einfach too much. Zu groß, zu teuer, zu protzig, zu behäbig. Sportlich war nur der Preis mit irgendwas um die 400.000€. Nun gut, ich bin ja auch nicht direkt Zielgruppe.

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Beim Ghost war das dann schon ein wenig anders. Die Eckdaten klangen bereits spannend und er gefiel auf den ersten Blick: 570PS aus einem 2-fach aufgeladenen V12 mit 6,6L Hubraum und 780NM Drehmoment. Diesmal aktuelle BMW Technik verbaut. Erster Eindruck, ich weiß es noch gut, hervorragend. Schon alleine deshalb, weil alles seinen Platz hatte  und sich auch vernünftig bedienen ließ. Verarbeitung auf entsprechendem Rolls Niveau mit viel Chrom, Holz, Leder und feinem Milchglas. Wo bei anderen Autos Fußmatten liegen, findet man im Rolls fast handbreit hohe Flokati Teppiche, die wahrscheinlich im Set den Preis eines günstigen Winterautos haben dürften. Schuhe ausziehen und vor die Tür stellen? Wäre im Prinzip angebracht und für eine Sekunde kann man sich durchaus dabei ertappen diese Überlegung anzustellen.

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Hat man einmal Platz genommen, will man gar nicht mehr aussteigen. Feinste Ledersitze und 600 Watt Musikleistung tun Ihr übriges dazu. Wenn schon von außen nichts zu hören ist, dann wenigstens von innen. Und wie fährt er sich nun? Offen gesagt war ich begeistert wie agil, handlich und leicht das Zusammenspiel von Motor, Getriebe und Fahrwerk stattgefunden hat. Ruft man die volle Leistung ab, geht es – trotz 2,4 Tonnen Leergewicht – ordentlich zur Sache. Bei derartiger quasi-Dynamik verstehe ich so manchen Eigner, schickt er doch Chauffeur nach Hause, um selbst ordentlich Fahrspaß zu erleben. So kann es durchaus passieren, dass Emily sich einige Fliegen zwischen den hoheitlichen Silberzähnen einfängt. Die Arme! 570PS haben natürlich leichtes Spiel und der Wagen kann wirklich schnell sein, ist aber gleichzeitig auch eine Gleitmaschine sondergleichen. Luftfahrwerk und eine perfekt arbeitende achtstufige ZF Automatik laden zum entspannten Reisen. Er kann aber durchaus, wenn er soll!

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In einem kurzen Stau ist bei mir aber wieder dieses Peinlichkeitsgefühl erwacht, wenn ich ehrlich bin. Man wird einfach regelrecht begafft und will sich fast schon entschuldigen für das eigentlich sehr tolle Auto. Deutschland ist ja ein wenig Neidgesellschaft und einen Rolls sieht man nicht alle Tage. Dennoch wünscht man sich als Fahrer hin und wieder getönte Scheiben, um sich den Blicken zu entziehen. Vielleicht bastle ich mir beim nächsten Mal ein Schild: Ich bin nur der Chauffeur!

Den Artikel zum Ghost gibt es übrigens hier.

Zum Thema dynamisches Fahren mit dem Rolls noch ein kleines Video. Zugegeben eine gewagte Aktion, aber auch irgendwie cool. Er macht eben einfach Spaß und wo steht geschrieben, dass er nicht driften soll? Auch das kann er, wenn er soll.

Emily auf Ecstasy

 

Fazit:

Tolles Erlebnis in einem majestätischen Auto. Der derzeit günstigste und stärkste Rolls-Royce hat mich fasziniert und es hat definitiv Spaß gemacht ihn zu fahren. Hätte ich die Wahl und das Geld, würde ich mir aber offen gesagt eher den ungleichen Bruder/ Teilespender BMW 760i kaufen. Günstiger, sportlicher und dezenter. Aber wie bereits oben festgestellt: Ich bin ja nicht Zielgruppe und der Ghost ist unbestritten eines der besten Autos der Welt.

Ein Kommentar zu (alt) “Ghost-Rider”- Unterwegs im Rolls-Royce Ghost

  1. 🙂 Der Wagen ist einfach top. Ein toller Bericht.

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